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Der größte Bevölkerungsanteil Nepals gehört dem Hinduismus an. Etwa 80 Prozent bildeten seit 1854 bis zur Entmachtung des Königs im April 2006 mit ihrem hinduistischen Glauben die Staatsreligion (Nepal war bis dato das einigste Land der Welt in dieser Form). Der Hinduismus hat in dem Hindukönigreich Nepal die dominierende Position; er ist die Religion der Königsfamilie, und der König wird als eine Inkarnation der Hindu-Gottheit Vishnu angesehen und verehrt.
Der in Nepal praktizierte Hinduismus enthält auch Elemente des Buddhismus, der zweitwichtigsten Religion des Landes, zu der sich 15 Prozent der Bevölkerung bekennen. Daneben gibt es bedeutende Minderheit an Muslimen (3 Prozent) und Christen (2 Prozent). Zudem treten weitere kleine ethnische Gruppierungen auf.
Nach hinduistischem und buddhistischem Glauben werden das Leben und das Schicksal der Menschen durch ihr Karma bestimmt, die Kraft, die durch ihre Handlungen entsteht und die für die spätere Wiedergeburt entscheidend ist. Es gilt sich durch unterschiedliche Methoden aus diesem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien. Das Ziel ist jeweils das gleiche, die Erleuchtung und somit das ewige Leben im Nirwana, dem Paradies.
Das Kastenbewusstsein prägt diese überwiegend hinduistische Gesellschaft und beeinflusst in hohem Maße den zwischenmenschlichen Umgang.
Hinduismus
Der Hinduismus entstand aus der vedischen Religion, welche auf heiligen Schriften aus der Zeit um 1000 v. Chr. aufgebaut ist. Diese Schriften beschreiben magische Rituale und Opfergesänge, sie zählen zu den ältesten, offenbarten Schriften die je niedergeschrieben wurden. Das Wort Hindu bedeutet soviel wie Inder. Der hinduistische Glauben entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer toleranten Lebensart, nicht zuletzt weil der Hinduismus selber tausenden von Gottheiten kennt. Jede Seele hat hunderte von Wiedergeburten zu erleben, ehe sie Moksa, die Erlösung des Geburtenkreislaufes, erreicht.
Im Hinduismus ist die Zugehörigkeit zu einer Kaste an das Leben gebunden. In dieser Klassengesellschaft ist es unmöglich sich durch eigene Kraft und Taten zu verändern. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste ist auch heute noch von großer sozialer Bedeutung und die Aufgaben, Rechte, Pflichten und Fähigkeiten in den einzelnen Kasten sind von Geburt an geregelt.
Traditionell war die Gesellschaft in vier Kasten eingeteilt:
Des Weiteren gibt es Kastenlose, die “Unberührbaren“, sie bilden die unterste, unreine Stufe und verrichten ausschließlich abbrüchige Arbeiten wie Leichen verbrennen oder Straßen reinigen.
Im nepalesischen Kastenwesen gibt es eine scharfe Trennlinie. Sie wird auch “Wasserlinie” genannt. Über dieser Linie stehen die reinen Kasten, darunter die unreinen. Die reinen Kasten dürfen von den unreinen kein Wasser annehmen und keine gekochten Speisen (vor allem keinen gekochten Reis = bhat).
Das höchste Ziel eines Hindu ist, den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen und durch Verschmelzung der eigenen Seele mit der Weltseele zur endgültigen Erlösung zu gelangen. Der Buddhismus, welcher aus dem Hinduismus entstanden ist, verfolgt dasselbe Ziel, verzichtet jedoch auf die Rolle der Priester als Vermittler. Anders als im Hinduismus ist die individuelle Seele nicht unveränderlich, sondern formt sich beim Tod eines Menschen jeweils neu.
Buddhismus
Der Buddhismus beruht auf den Lehren Buddhas, der 543 v. Chr. geboren wurde. Bis zu seinem 29. Lebensjahr lebte er als Prinz Siddharta Gautama ein weltliches Leben. Er gab sein wohlhabendes Leben auf um die Wahrheit des Lebens zu suchen. Zunächst versuchte er durch Askese Erleuchtung zu erlangen. Nach Jahren des Fastens erkannte er, das dies nicht zum Ziel führt und er wandte sich fortan der Meditation zu. Nach 49 Tagen Meditation unter einem Feigenbaum erlangter er die Erleuchtung. Dies geschah in Nordindien, einem Ort der fortan den Namen Bodh Gaya, was übersetzt “wurde erleuchtet“ bedeutet, tragen sollte.
Die “ Vier Edlen Wahrheiten“, von Buddha nach seiner Erleuchtung niedergeschrieben:
Buddhas Lehren enthalten zwar hinduistische Grundelemente wie Karma und Nirwana, er interpretiert diese aber ganzheitlich und fügt psychologische Aspekte hinzu. Das Karma ist nicht an das eigene Schicksal gebunden. Durch innere Arbeit an sich selbst kann man sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburt lösen und so das Nirwana erreichen. Genauere Angaben zum Nirwana machte Buddha nie. Nach Buddhas Lehre soll der Mensch seine eigenen Schwächen erkennen und heilen, er kann sein eigenes Schicksal bestimmen und trägt dafür die Verantwortung. Geisterhafte Methoden auf dem Weg zum Nirwana wurden von Buddha abgelehnt. Ferner gibt es im Buddhismus keinen Gott wie in anderen Religionen.
Der Buddhismus gilt als Reformbewegung gegen die Klassengesellschaft und die Machtausübung der Brahmanen des beherrschenden Hinduismus. Er ist kein Glaube an einen Gott, viel mehr der Glaube an die göttliche Kraft im Menschen selber. Als Geisteswissenschaft setzt er nicht auf Glauben, sondern auf die Entwicklung des Geistes, des Verstehens und der Vernunft. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Buddhismus, zum einen den Hinayana – Buddhismus, welcher die persönliche Erleuchtung zum Ziel hat und zum anderen den Mahayana – Buddhismus, welcher das Mitgefühl aller Lebewesen auf der Welt besitzt. Die in Nepal lebenden Buddhisten gehören zumeist der Mahayana Gruppe an.
Hinayana – Buddhismus
Der Hinayana – Buddhismus wird auch als “kleines Fahrzeug” bezeichnet und ist die rein geistige Lehre Buddhas über die Erlösung des Menschen. Sie wird ohne die Hilfe von vermittelnden Priestern nur durch die eigene Kraft erlangt.
Mahayana – Buddhismus
Der Mahayana – Buddhismus, das “großes Fahrzeug”, ist die am weitesten verbreitete Form des Buddhismus. Ist der Weg zur Erlösung über die eigene Selbstverantwortung zu beschwerlich, so helfen erleuchtete Wesen (Bodhisattvas). Bodhisattvas haben bereits die Reife eines Buddhas errungen, verzichten aber auf die Rückkehr ins Nirwana aus Mitgefühl zu all den Menschen, die noch nicht den Pfad gefunden haben. Der Mahayana – Buddhismus ist darum durch eine Zurückstellung des eigenen Wohles und Nutzens zugunsten des Wohles und Nutzens aller Lebewesen geprägt.
“Der Buddhismus lehrt, geistigen Frieden zu erreichen, und er versucht, das Denken und die Lebenskraft so zu verändern, dass man Leiden ertragen, Tod, Krankheit und Unglück überwinden kann.” Dalai Lama
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