Land und Leute

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Nepal ist ohne Zweifel ein Vielvölkerstaat. Eine offizielle Volkszählung im Jahre 2001 bezeugte, was unlängst bekannt war: über 100 verschiedenen ethnischen Gruppen und Kasten mit mehr als 70 differenzierten Sprachen und Dialekten leben in gegenseitiger Anerkennung miteinander.

Rein rechnerisch gesehen teilen sich etwa 170 Bewohner Nepals einen Quadratkilometer Land. Da aber weite Teile Nepals unbewohnbar sind, drängen sich die 25 Mio. Menschen auf wenige Hauptballungsgebiete. Bestes Beispiel hierfür ist die Hauptstadt Kathmandu, wo in den alten Stadtteilen eine schier atemlose Enge herrscht. Nicht umsonst zählt Kathmandu zu den am dichtesten besiedelten Städten der Welt. Hier ballen sich 3.000 Einwohner auf einen Quadratkilometer, der jährliche Zuwachs beträgt etwa 15 Prozent.

Inhalt

Geographie und Landschaft

Nepal ist mit 147.181 qkm etwa so groß wie zwei Fünftel der Bundesrepublik Deutschland (357.093 qkm) und liegt auf der gleichen geografischen Breite wie das nördliche Ägypten. Drei verschiedene Zonen bestimmen das Bild der Landschaft.

Nepal Mittelland

Im Mittelland leben 45 % der Bevölkerung auf 30 % der Landesfläche

Zwischen der nordindischen Ebene und den Vorbergen des Himalayas erstreckt sich zwischen 200 und 1.200 m das Terai. Das Klima ist tropisch. Subtropisches Klima beherrscht hingegen die mittlere Region der Täler und Bergketten zwischen den Vorbergen des Himalayas und der Hochgebirgskette. Das Hochgebirge, mit den höchsten Erhebungen der Welt, schließt das Land nach Norden ab. Im Osten verläuft die Grenze auf dem Hochgebirgskamm, im mittleren und westlichen Nepal dahinter.

Nepal bildet zusammen mit Indien, Sri Lanka, das Korallenarchipel der Malediven, Bangladesch, Bhutan sowie Pakistan den Indischen Subkontinent. Dieser wiederum formt mit Südost- und Ostasien, den Nahen Osten, Zentral- und Westasien sowie Nordasien den Kontinent Asien.

Zwischen dem 26. und 30. nördlichen Breitengrad und 80. und 88. östlichen Längengrad liegend, ist Nepal ein kleines Königreich an den Südhängen des Himalayas. Gefährlich zwischen den asiatischen Supermächten Indien (im Westen, Süden und Osten) und China (im Norden; gemeinsame Grenze mit der autonomen Region Tibet der Volksrepublik China) liegend, bildet Nepal ein von Land umschlossenes Rechteck mit einer Nord-Süd Ausdehnung von 245 km an der breitesten Stelle und 885 km in ost-westlicher Richtung.

Nepal ist ein überwiegend gebirgiges Land inmitten des Himalayas. Es erstreckt sich von der Ganges Tiefebene im Süden, dem Terai, über bergiges Land bis an das tibetanische Hochplateau im Norden mit dem majestätisch anmutenden Himalayagebirge. Dort thronen acht der zehn höchsten Gipfel der Erde, der Mount Everest (8.848 m), der Kangchenjunga (8.586 m), der Lotse (8.516 m), der Makalu (8.485 m), der Cho Oyu (8.188 m), der Dhaulagiri I (8.167 m), der Manaslu (8.163 m) und der Annapurna I (8.091 m).

Im Mittel gesehen ist Nepal das höchste Land der Erde. 10% der Gesamtfläche liegen über 5.000 m und über 28 % liegen höher als 3.000 m. Trotz dieser Rekordzahlen befindet sich der tiefste Punkt auf lediglich 70 m in den südlich gelegenen Tiefebenen.

Bodenerosion

Bodenerosion ist eines der großen Probleme Nepals. Riesige Ströme, die dem Himalaya Gebirge entspringen, reißen jährlich Unmengen an Erde in die indische Gangestiefebene hinunter. Abholzung des Mittelgebirges zur Brennholzgewinnung für die Bevölkerung, wie auch für die immer größer werdenden Scharen an Trekking Touristen sowie die Abholzung für den Export, erzeugen große Flächen an kahlem Land. Für die permanent wachsende Bevölkerung werden darüber hinaus neue Anbauflächen für die Landwirtschaft benötigt. Als Folge schwemmen die heftigen Monsunregen den schwachen Untergrund in die reißenden Flüsse und Ströme.

Gliederung des Landes

Nepal, dieses extrem bergige Land mit 64 % der Landesfläche über 1.000 m, 28 % über 3.000 m und 10 % über 5.000 m, lässt sich generell in drei Hauptzonen einteilen: die Tiefebene, das Mittelland und das Bergland.

  • die Tiefebene, das Terai
  • die Shivaliks, auch Churia-Hügelkette (bis 1.500 m) und die Mahabharat-Kette (2.000 – 3.000 m), das Mittelland
  • das Bergland mit der Himalaya-Kette (bis 8.848 m), die Hochgebirgsregion

Terai

Yak Nepal

Yaks werden zum Lastentransport und zur Feldarbeit eingesetzt

Teile der indischen Gangestiefebene erstrecken sich bis in den Süden Nepals hinein. Diese Ebene, das Terai, ist zwischen 25 und 80 km breit. Der Flachlandstreifen, welcher auf einer Höhe von 70 bis 150 m liegt, schlängelt sich parallel zur indischen Grenze. Er bildet den fruchtbaren, kaum erosionsgefährdeten und ganzjährig frostfreien südlichen Teil vor dem zentralen Bergland Nepals. Das Terai, tropisch bis subtropisch mit Monsunklima, war bis in die 50er Jahre aufgrund von Malaria kaum besiedelt. Heute leben im Terai 47 % der Bevölkerung Nepals auf nur 14 % der Landesfläche. Sehr gute Bewässerungsmöglichkeiten machen es zu einer landwirtschaftlich sehr ertragreichen Region.

Mittelland

Die Hügelkette der Shivaliks (bis 1.500 m) und der Mahabharat (2.000 – 3.000 m) bilden den Übergang vom Flachland in das Mittelland. Dieses erreicht bewaldete und mit Terrassenfeldern angelegte Höhen bis zu 3.000 m. Im Mittelland leben 45 % der Bevölkerung auf 30 % der Landesfläche. Nördlich der Mahabharat Hügelkette grenzt ein weitläufiges Hügelland, welches das ursprüngliche, alt besiedelte Nepal darstellt.

Aufgrund hoher Reliefenergie verfügen nur wenige Teilgebiete im Mittelland über eine Straßenanbindung. Hierzu zählen das Kathmandu- und Pokhara-Tal sowie die Ortschaften Jiri, Mugling und Dumre.

Hochgebirgsregion

Das Hochgebirge des Himalayas erstreckt sich bis in Höhenlagen weit über 8.000 m. Die Schneegrenze in dieser Region liegt, verglichen mit den Alpen, beachtlich höher. Erst ab 5.000 m findet sich dauerhafte Schnee- und Eisfelder. Generell ist die Hochgebirgsregion schlechter entwickelt als der Rest des Landes. Straßen sind nicht vorhanden und das Laufen zählt in dieser Region, wie auch im Mittelland, zu der üblichsten Fortbewegungsart. Lediglich vier Inlandsflughäfen verbinden die Gebirgsregion mit der Außenwelt. Als wichtigste Einnahmequelle zählt der Tourismus.

Flora und Fauna

Nepal besitzt aufgrund der verschiedenen Klimazonen eine vielfältige Pflanzenwelt. Das Terai ist geprägt durch Salbäume und bis zu 6 m hohes Elefantengras, Bambus und Mimosen sowie verschiedenste Kräuterarten.

In den mittleren Lagen bis 3.000 m bestimmen Rhododendren und Magnolien sowie Eichen- oder Kastanienbäume das Landschaftsbild. Oberhalb dieser Lage finden sich noch, bis an die Baumgrenze auf einer Höhe von 4.000 bis 5.000 m heranreichend, Birken- und Nadelwälder.

Tierwelt

In den südlichen Nationalparks, wie z. B. dem Chitwan Nationalpark, leben Tiger, Nashörner, Elefanten, verschiedene Affenarten und Krokodile neben einer großen Vogel- und Schmetterlingspopulation. Im Himalaya Gebirge fühlen sich Braunbären, Wildkatzen wie z. B. Füchse, verschiedene Reh- und Hirscharten sowie Affenarten heimisch. Eine Begegnung mit einem Yak ist in Höhen über 3.000 m unausweichlich. Diese Nutztiere werden zum Lastentransport und zur Feldarbeit eingesetzt.

Bevölkerung

Nepals Bevölkerung besteht aus über 100 verschiedenen Volksgruppen mit eigenen Sprachen und Kulturen. Die durchschnittliche Lebenserwartung in diesem Vielvölkerstaat liegt bei 52 Jahren, was auf eine sehr schlechte medizinische Versorgung schließen lässt.

Auf einen Arzt kommen über 15.000 Patienten. Nepal liegt mit dieser Quote, ebenso wie bei der Kindersterblichkeit, ganz am Ende in Asien. Die Sterblichkeitsrate bei Müttern ist zudem die höchste in der Welt, dies liegt u. a. daran, dass noch etwa 90 % zuhause gebären.

Nepal Landwirtschaft

Um die 90 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft

Ein verwirrender Punkt der Bevölkerungszusammensetzung in Nepal ist die Tatsache, dass es Ethnien und Kasten gibt. Dabei decken diese sich überhaupt nicht. Viele Ethnien sind keine Kasten, werden aber von den Hindus trotzdem ins Kastenwesen eingefügt. Eine häufig falsch verwendete Bezeichnung ist z. B. „Sherpa“. Oft spricht man von den Sherpas als eine Berufsgattung, den Führern bei einem Trekking. Die Sherpas sind aber eigentlich eine Volksgruppe tibetischen Ursprungs, welche vorwiegend in Höhen über 2.500 m leben. Zum Teil haben sich diese Volksgruppen heute vermischt und über große Gebiete verstreut.

Um die 90 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft und Viehzucht findet überwiegend zur Eigenversorgung statt. Knapp ein Drittel des Landes wird dabei genutzt; der größte Teil des Agrarlandes befindet sich in der Terai-Region. Zu den wichtigsten Anbauprodukten gehören Reis, Mais, Buchweizen, Gerste, Kartoffeln, Zuckerrohr, Hirse, Jute und Tabak; daneben werden Geflügel, Rinder und Wasserbüffel gezüchtet. Auf den Hochweiden werden neben Schafen und Ziegen auch Yaks gehalten.

Die Waldbestände Nepals sind aufgrund von Brandrodung für den Feldbau und unkontrollierter Brennholzgewinnung erheblich geschädigt. Um die enormen Erosionsschäden einzudämmen, wurde inzwischen mit Wiederaufforstungsmaßnahmen begonnen. Der jährliche Holzeinschlag beträgt rund 20 Millionen Kubikmeter. Die Nahrungsmittelproduktion reicht, besonders in Dürrejahren, nicht zur Selbstversorgung aus.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei 150 US Dollar, was Nepal zum zweitärmsten Land Asiens macht. Nepal taucht in der Liste der zehn ärmsten Länder der Welt auf.

Religion

Der größte Bevölkerungsanteil Nepals gehört dem Hinduismus an. Etwa 80 % bildeten seit 1854 bis zur Entmachtung des Königs im April 2006 mit ihrem hinduistischen Glauben die Staatsreligion (Nepal war bis dato das einigste Land der Welt in dieser Form).

Gebetstafeln

Gebetstafeln am Wegrand

Der Hinduismus hat in dem Hindukönigreich Nepal die dominierende Position; er ist die Religion der Königsfamilie, und der König wird als eine Inkarnation der Hindu-Gottheit Vishnu angesehen und verehrt.

Der in Nepal praktizierte Hinduismus enthält auch Elemente des Buddhismus, der zweitwichtigsten Religion des Landes, zu der sich 15 % der Bevölkerung bekennen. Daneben gibt es bedeutende Minderheit an Muslimen (3 %) und Christen (2 %). Zudem treten weitere kleine ethnische Gruppierungen auf.

Nach hinduistischem und buddhistischem Glauben werden das Leben und das Schicksal der Menschen durch ihr Karma bestimmt, die Kraft, die durch ihre Handlungen entsteht und die für die spätere Wiedergeburt entscheidend ist. Es gilt sich durch unterschiedliche Methoden aus diesem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien. Das Ziel ist jeweils das gleiche, die Erleuchtung und somit das ewige Leben im Nirwana, dem Paradies.

Das Kastenbewusstsein prägt diese überwiegend hinduistische Gesellschaft und beeinflusst in hohem Maße den zwischenmenschlichen Umgang.

Hinduismus

Der Hinduismus entstand aus der vedischen Religion, welche auf heiligen Schriften aus der Zeit um 1.000 v. Chr. aufgebaut ist. Diese Schriften beschreiben magische Rituale und Opfergesänge. Sie zählen zu den ältesten, offenbarten Schriften, die je niedergeschrieben wurden. Das Wort Hindu bedeutet soviel wie Inder. Der hinduistische Glaube entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer toleranten Lebensart, nicht zuletzt weil der Hinduismus selber tausende von Gottheiten kennt. Jede Seele hat hunderte von Wiedergeburten zu erleben, ehe sie Moksa, die Erlösung des Geburtenkreislaufes, erreicht.

Im Hinduismus ist die Zugehörigkeit zu einer Kaste an das Leben gebunden. In dieser Klassengesellschaft ist es unmöglich sich durch eigene Kraft und Taten zu verändern. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste ist auch heute noch von großer sozialer Bedeutung und die Aufgaben, Rechte, Pflichten und Fähigkeiten in den einzelnen Kasten sind von Geburt an geregelt.

Traditionell war die Gesellschaft in vier Kasten eingeteilt:

  • Brahmanen – Priester und Schriftgelehrte, die die heiligen Schriften studierten
  • Kshyatriya – Herrscher und Krieger, die die Schwachen beschützten und gerecht regierten
  • Vaishya – Kaufleute und Bauern, die den Reichtum des Landes durch Landwirtschaft und Handel vermehrten
  • Shudra – Arbeiter, die dienende Kaste für die Brahmanen, die Kshyatriya und die Vaishya

Des Weiteren gibt es Kastenlose, die “Unberührbaren“, sie bilden die unterste, unreine Stufe und verrichten ausschließlich abbrüchige Arbeiten wie Leichen verbrennen oder Straßen reinigen.

Im nepalesischen Kastenwesen gibt es eine scharfe Trennlinie. Sie wird auch „Wasserlinie“ genannt. Über dieser Linie stehen die reinen Kasten, darunter die unreinen. Die reinen Kasten dürfen von den unreinen kein Wasser annehmen und keine gekochten Speisen (vor allem keinen gekochten Reis = bhat).

Das höchste Ziel eines Hindu ist es, den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen und durch Verschmelzung der eigenen Seele mit der Weltseele zur endgültigen Erlösung zu gelangen. Der Buddhismus, welcher aus dem Hinduismus entstanden ist, verfolgt dasselbe Ziel, verzichtet jedoch auf die Rolle der Priester als Vermittler. Anders als im Hinduismus ist die individuelle Seele nicht unveränderlich, sondern formt sich beim Tod eines Menschen jeweils neu.

Buddhismus

Kloster Tengboche

Kulturelles und religiöses Zentrum des Khumbu – das buddhistische Kloster in Tengboche

Der Buddhismus beruht auf den Lehren Buddhas, der 543 v. Chr. geboren wurde. Bis zu seinem 29. Lebensjahr lebte er als Prinz Siddharta Gautama ein weltliches Leben. Er gab sein wohlhabendes Leben auf um die Wahrheit des Lebens zu suchen. Zunächst versuchte er durch Askese Erleuchtung zu erlangen. Nach Jahren des Fastens erkannte er, das dies nicht zum Ziel führt und er wandte sich fortan der Meditation zu. Nach 49 Tagen Meditation unter einem Feigenbaum erlangter er die Erleuchtung. Dies geschah in Nordindien, einem Ort der fortan den Namen Bodh Gaya, was übersetzt „wurde erleuchtet“ bedeutet, tragen sollte.

Buddha schrieb die „Vier Edlen Wahrheiten“ nach seiner Erleuchtung nieder.

  • Alles Leben ist Leiden.
  • Leidursache ist unwissendes Begehren.
  • Das Leiden kann überwunden werden durch aufgeben der Begierde.
  • Die Begierden könne durch den „Achtfachen Pfad“ zerstört werden. Durch rechte Anschauung, rechte Gesinnung, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechte Lebensführung, rechtes Streben, rechtes Aufmerken und rechte Versenkung.

Buddhas Lehren enthalten zwar hinduistische Grundelemente wie Karma und Nirwana, er interpretiert diese aber ganzheitlich und fügt psychologische Aspekte hinzu. Das Karma ist nicht an das eigene Schicksal gebunden. Durch innere Arbeit an sich selbst kann man sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburt lösen und so das Nirwana erreichen. Genauere Angaben zum Nirwana machte Buddha nie. Nach Buddhas Lehre soll der Mensch seine eigenen Schwächen erkennen und heilen, er kann sein eigenes Schicksal bestimmen und trägt dafür die Verantwortung. Geisterhafte Methoden auf dem Weg zum Nirwana wurden von Buddha abgelehnt. Ferner gibt es im Buddhismus keinen Gott wie in anderen Religionen.

Der Buddhismus gilt als Reformbewegung gegen die Klassengesellschaft und die Machtausübung der Brahmanen des beherrschenden Hinduismus. Er ist kein Glaube an einen Gott, viel mehr der Glaube an die göttliche Kraft im Menschen selber. Als Geisteswissenschaft setzt er nicht auf Glauben, sondern auf die Entwicklung des Geistes, des Verstehens und der Vernunft. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Buddhismus, zum einen den Hinayana-Buddhismus, welcher die persönliche Erleuchtung zum Ziel hat und zum anderen den Mahayana-Buddhismus, welcher das Mitgefühl aller Lebewesen auf der Welt besitzt. Die in Nepal lebenden Buddhisten gehören zumeist der Mahayana Gruppe an.

Hinayana-Buddhismus

Buddhistischer Stupa

Buddhistischer Stupa in Bodnath, ein Vorort im Nordosten von Kathmandu

Der Hinayana-Buddhismus wird auch als „kleines Fahrzeug“ bezeichnet und ist die rein geistige Lehre Buddhas über die Erlösung des Menschen. Sie wird ohne die Hilfe von vermittelnden Priestern, nur durch die eigene Kraft, erlangt.

Mahayana-Buddhismus

Der Mahayana-Buddhismus, das „großes Fahrzeug“, ist die am weitesten verbreitete Form des Buddhismus. Ist der Weg zur Erlösung über die eigene Selbstverantwortung zu beschwerlich, so helfen erleuchtete Wesen (Bodhisattvas). Bodhisattvas haben bereits die Reife eines Buddhas errungen, verzichten aber auf die Rückkehr ins Nirwana aus Mitgefühl zu all den Menschen, die noch nicht den Pfad gefunden haben. Der Mahayana-Buddhismus ist darum durch eine Zurückstellung des eigenen Wohles und Nutzens zugunsten des Wohles und Nutzens aller Lebewesen geprägt.

„Der Buddhismus lehrt, geistigen Frieden zu erreichen, und er versucht, das Denken und die Lebenskraft so zu verändern, dass man Leiden ertragen, Tod, Krankheit und Unglück überwinden kann.“ Dalai Lama

Kastenwesen

Die Einbindung des Einzelnen in eine strenge, religiöse Hierarchie ist ein wichtiges Merkmal der indischen Gesellschaft und somit des Kastenwesens. Der Mensch ist nicht nur gefangen im Kreislauf der Wiedergeburt, auch seine Position in der Gesellschaft ist für sein derzeitiges Leben festgelegt.

Das Wort Kaste ist aus dem Portugiesischen casta, etwas nicht vermischtes, abgeleitet. Eine treffende und allumfassende Definition ist nicht einfach. Verallgemeinert lässt sich eine Kaste als eine geschlossene Gruppe innerhalb einer Hierarchie beschreiben. Jede dieser Gruppe ist wiederum nach bestimmten, jedoch nicht einheitlichen Merkmalen untergliedert. Als Unterscheidungsmerkmale dienen Beruf, Herkunft, Name oder Stammeszugehörigkeit.

Die Kastenhierarchie ist fest verknüpft mit dem Hinduismus, welcher in Nepal weit mehr ist als nur eine Religion. Es ist vielmehr eine Lebensauffassung in der jede Sache ihren festen Platz in einer Ordnung hat, so auch jeder Mensch.

Im Hinduismus wird das Leben von der Kastenzugehörigkeit bestimmt. Die soziale Schichtung ist gottgewollt und somit von Geburt an feststehend. Trotz allem wurde 1963 das Kastenwesen, bzw. die Diskriminierung durch Kastenzugehörigkeit gesetzlich verboten. Es blieb bei diesem Versuch. Noch immer spielt das Kastenwesen eine beherrschende Rolle und bestimmt das gesellschaftliche Leben.

Bildung

Kinder Nepal

Die Zukunft der Kinder in Nepal ist ungewiss – nur die Hälfte beendet die fünfjährige Grundschulzeit

Das gegenwärtige, dreistufige Ausbildungssystem wurde 1971 etabliert. Für sämtliche nepalesische Kinder besteht zwischen dem sechsten und dem zehnten Lebensjahr allgemeine Grundschulpflicht.

Daran schließt sich der freiwillige Besuch der dreijährigen unteren Sekundarschule und der zweijährigen oberen Sekundarschule an.

Die wichtigste Hochschule des Landes ist die Tribhuvan-Universität (gegründet 1959) in Kathmandu. Für den Besuch der ersten bis sechsten Klasse fallen an den staatlichen Schulen keine Gebühren an.

In der Realität können jedoch viele Kinder nicht am Grundschulunterricht teilnehmen, da sie zusätzliches Geld verdienen oder im Haushalt helfen müssen. Nur die Hälfte aller Kinder beendet die fünfjährige Grundschulzeit. Zum einen liegt das an den mangelnden Schulen auf dem Land, zum anderen an der schlechten Ausbildung der Lehrkörper und der damit verbundenen schlechten Qualität des Unterrichts. Es fehlt zudem oftmals an grundlegenden Dingen wie Tafeln, Stiften oder Büchern. Viele Familien entscheiden sich deshalb dagegen, ihre Kinder in die oft weit entfernten Schulen zu schicken.

Benachteiligung von Mädchen

Verglichen mit anderen Ländern in Asien ist das Bildungsniveau in Nepal sehr niedrig. Die Alphabetisierungsrate liegt bei nur 48 %. Besonders geringe Bildungschancen haben Frauen. Trotz großer Fortschritte in den vergangenen Jahren kann nur ein Drittel von ihnen Lesen und Schreiben. Mädchen werden viel seltener eingeschult als ihre männlichen Altersgenossen und brechen die Schule noch häufiger ab. Oft müssen Mädchen die Schule vorzeitig verlassen, da sie schon mit zehn oder elf Jahren verheiratet werden. Fast die Hälfte aller 15 bis 19 jährigen Mädchen ist verheiratet.

Staat und Politik

Der Gurkha-Fürst Prithvi Narayan gründete im 18. Jahrhundert den ersten einheitlichen Staat aus zuvor unabhängigen Fürstentümern. Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm Jang Bahudur Kunwar die Regierungsmacht und legte sich den Titel Rana zu.

1948 wurde die erste Verfassung erlassen. König Tribhuvan proklamierte 1951 nach kurzem Exil in Indien die konstitutionelle Monarchie. Das Kastensystem wurde offiziell abgeschafft, herrscht jedoch immer noch vor.

Nach blutigen Unruhen Anfang der 90er Jahre trat gegen den Widerstand des Königs im November 1990 eine neue Verfassung in Kraft. Nepal ist seitdem eine konstitutionelle Monarchie mit Mehrparteiendemokratie, Pressefreiheit und unabhängiger Justiz. Am 1. Juni 2001 wurden zehn Mitglieder der Königsfamilie ermordet. Gjenendra, der Bruder des getöteten Königs, wurde zum Nachfolger gekrönt. Die Hintergründe des Massakers blieben unklar.

Kathmandu

Kathmandu – die Hauptstadt von Nepal

Seit 1996 war Nepal von extremen innenpolitischen Unruhen geprägt, da die Kommunistische Partei Nepals (Maoisten) der Regierung den „Volkskrieg“ erklärt hatten. Sie forderte mehr soziale Gerechtigkeit. Gewalttätige Auseinandersetzungen, Streiks, Entführungen und Ausgangssperren bestimmten lange den Alltag vieler Nepalesen und forderte mehrere tausend Menschenleben.

Nach dreimonatigen Massenprotesten setzte König Gyanendra im April 2006 das zuvor aufgelöste Parlament wieder ein. Daraufhin fanden Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Maoisten statt, die Ende 2006 zu ein Friedensabkommen führten. Die am 15.01.2007 an die Stelle der Verfassung von 1990 getretene Übergangsverfassung setzte die Monarchie außer Kraft. Das Amt des Staatsoberhauptes ging vom König auf den Premierminister Girija Prasad Koirala über.

Am 28.12.2007 wurde endgültig die Monarchie in Nepal abgeschafft. Mehr als zwei Drittel der Abgeordneten des Übergangsparlaments stimmten für eine föderale demokratische Republik als neue Staatsform. Wenig später, am 28.05.2008 wurde durch die verfassungsgebende Versammlung formal die Entmachtung des Königs bestätigt und die Republik Nepal ausgerufen. Ram Baran Yadav wurde am 21.07.2008 zum ersten Präsidenten der Republik Nepal gewählt. Im Oktober 2015 wurde Bidhya Devi Bhandari seine Nachfolgerin im Amt.

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